Thailand – Paradies oder ach lass mal lieber

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Bei der Planung meiner Reisen in den letzten Jahren und erst recht für meine Langzeitreise stand Thailand eigentlich nie hoch im Kurs. Wenn ich an Thailand dachte, kam mir immer zuerst der Gedanke: viel zu viel Tourismus inklusive Sextourismus. Doch letztendlich wollte ich dem Land eine Chance geben und es sind sogar 2 Chancen geworden.

Zuerst war ich für ca. 3 Wochen auf Koh Samui, dann etwas später bin ich nochmal zurück gekehrt und habe Chiang Mai besucht.

Station 1: Koh Samui

Nachdem ich nun über 4 Monate auf Bali genauer gesagt in Ubud war, wollte ich unbedingt an den Strand. In die nähere Auswahl kamen Koh Samui oder Koh Phangan.

Am Ende fiel die Wahl auf Koh Samui, da Koh Phangan in den Reiseberichten, die ich gelesen habe, immer eher als Partyinsel beschrieben wurde.

Ich hatte über Airbnb ein Appartment in der Nähe Ban Lamai gemietet. Und das war auch schon das Positivste an den ganzen 3 Wochen: ein sauberes Appartement in Laufentfernung zu allem, was ich so brauche und mit hervorragendem Internet.
Aber schon wenn ich aus der Tür heraus trat, war es nicht mehr zu toll.

Das Appartement befand sich in einem Haus mit insgesamt 8 Zimmern auf 2 Etagen und wurde (wie auch nicht zu überhören war) von männlichen Gästen gerne für sagen wir mal sportliche Aktivitäten mit weiblichen Einheimischen genutzt. Eine Situation – alleine als Frau – die nicht unbedingt angenehm ist. Leider war das selbst zwischen den Zeilen nicht aus der Beschreibung bei der Buchung rauszulesen.

Auf der Hauptstraße, die über eine kleine Seitengasse nur ein paar Meter entfernt liegt, wurde die gesamten 3 Wochen gebaut. Der Staub, der Dreck, der Lärm und dann auch noch der extreme Verkehr, waren auch nicht wirklich urlaubsstimmungserhellend.

Ban Lamai besteht eigentlich nur aus einer Straße, der sogenannten Walking-Street, die am Anfang vom Ortsteil von der Inselhauptstraße abzweigt und am Ende dort wieder einmündet.

Rund um diese Walking-Street sind sämtliche Hotels oder Resorts angesiedelt. Tja und ansonsten Bars und Massagesalon, die, um es öffentlichkeitstauglich auszudrücken, männliche Kundschaft bevorzugten.

Mehr gibt es zu diesem Ort nicht zu sagen.

Gut, jetzt kannst Du Dir denken, dass hätte ich vorher wissen müssen bzw. da hätte ich mich eben vorher informieren müssen, was auf der Insel los ist. Das habe ich auch, mir waren allerdings die Ausmaße nicht bewusst.

Aber davon mal ganz abgesehen, es gibt noch mehr Punkte, die mir die Zeit dort wirklich vermiest haben.

Beach in Ban Lamai

 

Da wäre als erstes die Strandnähe. In der Beschreibung zu meinem Appartment stand, dass es in Strandnähe ist. Das traf auch wirklich zu. Also Luftlinie waren es vielleicht 300 Meter. Um tatsächlich an den Strand zu kommen, musste ich allerdings die gesamte Walking-Street ca. 3 km entlang laufen, da dort der einzige frei zugängliche Strandbereich war. Der gesamte Rest war komplett durch die Resorts und Hotels verbaut. Und mal ganz ehrlich, wenn Du zum Strand willst, hast Du dann Lust jedesmal über die Reeperbahn zu gehen, wo Dir dort noch dazu mehr als deutlich gezeigt wird, dass Du als Frau nicht willkommen bist?

 

 

 

Der nächste Punkt war das Essen. Ich hatte mir vorsorglich ein Appartment mit Küche ausgesucht und das erwies sich als absolut sinnvoll. Denn ein Restaurant oder Cafe zu finden, in das man sich als Frau gerne alleine reinsetzt, war schon schwierig, aber dann auch noch eins zu finden, dass wenigstens etwas Vegetarisches im Angebot hat (von vegan will ich gar nicht erst reden) war mit einer Ausnahme unmöglich.

Der dritte Punkt, der mich wirklich am allermeisten getroffen hat, war die unfassbare Unfreundlichkeit der Thai’s. Gut ich kam direkt von Bali und war wahrscheinlich einfach von der Herzlichkeit der Balinesen verwöhnt, aber das hatte ich vom sogenannten „Land des Lächelns“ absolut nicht gedacht.
Ich erwarte keinesfalls, dass jeder Grundkenntnisse der englischen Sprache haben sollte, aber hier wurde mir teilweise so deutlich gezeigt, dass man schlicht keine Lust oder kein Interesse hatte, mich zu verstehen.
Auch dabei war wieder das Grundproblem, dass ich eben eine Frau bin und unerwünscht, weil nicht Sextourist.

Es ist mir mehr als einmal passiert, dass ich in einem Restaurant saß, ein beliebiger Mann nach mir kam und sein Essen hatte, bevor ich überhaupt eine Karte zusehen bekam.

Aufgrund dieser Unfreundlichkeit hatte ich auch wenig Lust dort etwas zu unternehmen und habe die Zeit zum Arbeiten genutzt.

Als ich die Insel verließ, war mir eigentlich klar: Einmal und nie wieder.

Aber da ich meine ursprünglichen Reisepläne ja gerne mal über den Haufen werfe, sollte es doch noch eine 2. Chance für Thailand geben.

Station 2: Chiang Mai

 

Nachdem ich nach Koh Samui 2 Monate in Goa war, bin ich zurück nach Thailand geflogen. Diesmal in den Norden nach Chiang Mai. Ehrlich gesagt habe ich das nur gemacht, da ich in der Nähe von Chiang Mai zu einem Vipassana Kurs in einen buddhistischen Tempel wollte. Um das nicht in Stress ausarten zu lassen, bin ich 3 Tage vor dem Kursbeginn und 4 Tage nach dem Kursende noch in der Stadt geblieben.

 

Für die ersten 3 Tage hatte ich ein kleines Appartement am südöstlichen Ende der Altstadt gemietet.

Die 4 Tage nach dem Vipassana hab ich genau am anderen Ende der Altstadt im Nordwesten in einem Hotel verbracht.

Die Altstadt selbst ist ein quadratischer Stadtteil direkt im Zentrum von Chiang Mai.

Allerdings ist es auch etwas nervenaufreibend überhaupt in die Altstadt zu kommen. Sie ist umgeben von einer 3-spurigen wirklich extrem stark befahrenen Strasse ohne jegliche Verkehrsregelung durch Ampeln oder ähnlichem.

Aber wenn man diese Hürde genommen hat, dann ist es dort wunderschön und gemütlich.

 

Dort gibt es auch ganz viele kleine Gassen, in denen ich das Gefühl hatte, in einem Dorf und nicht in der zweitgrößten Stadt Thailands zu sein.

Überall gibt es kleine Cafés, Läden oder Märkte und Tempel.  Hier lohnt es sich mal einen Tag einfach nur durch die Straßen zu schlendern.

Außerhalb der Altstadt kommt es sehr darauf an, wo Du bist. Die Nachbarschaft bei meinem ersten Appartment war eher wie eine thailändische Kleinstadt – gemütlich. Die Gegend bei meinem zweiten Appartment war viel neuer mit vielen Hotels, Einkaufszentren, hohen Wohnblocks. Da kommt es also sehr darauf an, was Dir persönlich gut gefällt.

Unabhängig davon gibt es hier schon einiges, womit Du Dir die Zeit vertreiben kannst.

Du kannst hier unglaublich viele und  noch dazu schöne Tempel entdecken. Der größte und vielleicht auch schönste ist der Wat Phra That Doi Kham. Er liegt etwa 11 km südlich von Chiang Mai und Du kannst ihn ganz einfach per Taxi oder einem der Sammeltaxis erreichen.  Von hier aus hast Du einen wundervollen Blick über die gesamte Stadt – wenn es der Smog zulässt. Das muss man ganz klar sagen.
Aber es reicht auch, wenn Du einfach durch die Altstadt schlenderst, dort findest Du kleine aber feine Tempel fast an jeder Ecke.

 

Shopping darf natürlich auch nicht zu kurz kommen. Dafür kannst Du die Nachtmärkte besuchen.
Einer öffnet Samstag gegen 18 Uhr in der Chang Kian Road und ein zweiter am Sonntag Nachmittag direkt in der Altstadt in der Ratchadamnoan Road. Auf beiden Märkten findest Du wirklich alles Kleidung, Schmuck, Souveniers und jede Menge Streetfood. Aber leider gibt es auch hier so gut wie nichts vegetarisches.

 

 

Eine Attraktion, die hier in jeder Touristeninformation angeboten wird, ist der Besuch eines Elephant Sanctuary. Ich kann Dir da nur empfehlen, genau hinzugucken und Dich zu informieren. Es gibt nur wenige solcher Einrichtungen, die man mit gutem Gewissen besuchen kann, wo die Tiere die bestmöglichen Bedingungen haben – ohne Ketten, ohne Schläge und vor allem ohne Touristenreiten. Wenn Du Elefanten genauso liebst wie ich, informiere Dich bitte genau.

 

Fazit: Chiang Mai ist absolut eine Reise wert und hat mich mit Thailand etwas versöhnt, aber alles in allem ist es einfach nicht mein Land.

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